Lebensgespräch mit Paul Pirker

Freitag, 6. 6. 2019, 19:00 Uhr.
Komment (Gesellschaft für Kommunikation / Entwicklung / dialogische Bildung) in Kooperation mit d. Bildungswerk. Reihe Lebensgespräche.

Gast: Paul Pirker
Moderation: Jean-Marie Krier.

© Theresia Friedl

 

Geschickt führt Jean-Marie Krier das Publikum durch die verschiedenen Stationen des Lebens von Paul Pirker.

Ein politischer Geist, der mit 72 Jahren viel zu erzählen weiß.

Geboren in Wolfsberg / Kärnten besucht der Sohn eines ehemaligen Priesters das Gymnasium und anschließend die Lehrerbildungsanstalt in Villach. Durch das soziale Engagement und das religiös geprägte Umfeld der Familie, merkt er früh, dass er zu jenen gehört, die „auf die Butterseite des Lebens“ gefallen sind.

 

Jugend und Studium

Ein Stipendium ermöglicht P. Pirker ein Jahr in Dänemark. Dieser Aufenthalt wird zum persönlichkeitsprägendsten Abschnitt seines Lebens. Politisch von zu Hause konservativ sozialisiert, ist er mit 20 Jahren militant antiklerikal eingestellt, tritt aus der Kirche aus und schätzt die offene Gesellschaft des Nordens hoch. Als umso schrecklicher empfindet er die darauf folgenden Erfahrungen beim Bundesheer. „Korporäle und Leutnants, die es darauf anlegten brüllend und schreiend jeden zu brechen…“

Pirker inskribiert Politikwissenschaften und engagiert sich sehr erfolgreich in der Jungen Generation der SPÖ. Seine Diplomarbeit möchte er in der damaligen Sowjetunion schreiben. Da ihm hierfür unerwartet das Stipendium verwehrt bleibt, kommt es zu keinem Abschluss. Zeit damit zu hadern bleibt nicht.

 

Familie und Beruf

Er gründet eine Familie und unterrichtet u. a. Deutsch und Geschichte in der Pflichtschule. Angesprochen auf die Unterrichtssituation in seiner ehemaligen Salzburger Schule, die immer mehr zu einer sogenannten „Brennpunktschule“ geworden ist, kritisiert er offen unser Bildungssystem, an dem sich nichts ändern wird, solange es für LehrerInnen und deren Verwaltung ein Zweiklassensystem (AHS und Pflichtschule) gibt.

 

© Theresia Friedl

© Theresia Friedl

 

Salzburg – León – Nachhaltigkeit?

Aus einer Solidaritätsbewegung mit den Revolutionären Mittel- und Südamerikas wird 1978 das Lateinamerika-Komitee gegründet und Anfang der 1980er-Jahre eine Städtepartnerschaft mit Salzburg und León in Nicaragua initiiert. Seit 35 Jahren wird in den Bau von Schulen und Kindergärten, in die Ausbildung junger Menschen und den Tourismus investiert. Paul Pirker ist Vorstand des Vereins Städtepartnerschaft Salzburg – León und war Vorsitzender des entwicklungspolitischen Beirats der Salzburger Landesregierung. Auf 27 engagierte Nicaragua-Reisen kann er heute mit vorwiegend positiven Gefühlen zurückblicken. Wie nachhaltig diese Initiative weiterhin ist, hängt sowohl von der politischen Situation in Nicaragua als auch maßgeblich von der hiesigen Politik und dem Willen zur Förderung ab.

 

Demenzprophylaxe und Blick in die Zukunft

Neben Dänisch und Spanisch will sich das Sprachentalent Pirker weiterhin – er sagt: „zur Demenzprophylaxe“ - mit Russisch und Griechisch befassen.

Für sein Leben nach der Städtepartnerschaft möchte er einen Ort in Salzburg schaffen, den es derzeit nicht gibt. Einen Ort für einen anspruchsvollen politischen Diskurs. Ein Ausblick, der beim Publikum zustimmendes, klar wahrnehmbares Aufatmen auslöst und in einen von Hoffnung und Dank inspirierten Applaus mündet.

 

Bericht von NH-Reporterin Theresia

Waldspaziergang mit Josef Brawisch

© Theresia Friedl

© Theresia Friedl

 

Waldspaziergang mit Josef Brawisch – Mönchsberg, 5.6.2019, 16:00-19:00
Organisation: Berta Stich, Bildungswerk Gneis

Unter einem Magnolienbaum vor dem altehrwürdigen Seniorenwohnaus im Nonntal erwartet uns bei perfektem Frühlingswetter Herr Josef Brawisch. Der Forstwirtschaftsmeister ist für die Bewirtschaftung von 165 ha Waldfläche in der Stadt Salzburg zuständig. Zu seinen Hauptaufgaben zählen die Organisation der Waldpflege und die Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Seinen beruflichen Aktionsradius hat er im Laufe der Jahre immer wieder erweitert. Heute führt er uns als Waldpädagoge für Erwachsene in die Artenvielfalt des Mönchsbergs ein, erzählt von seiner Arbeit und hält kulturgeschichtliche Kurzreferate.

Der Weg, das Ziel…

Am Weg über die Brunnhausgasse – entlang des Almkanals - lernen wir die ersten Bäume kennen und erfahren, dass der Mönchsberg aus einem Gletscherrest in einem Hohlraum hinter dem Festungsberg entstand. Dieser besteht aus Kalk und Dolomit. Der Mönchsberg hingegen aus Konglomerat (= brüchiger, nicht gefestigter Kalkstein, durch Lehm und Ton miteinander verbundenes Gestein). Der Umstand, dass diese zwei Gesteinsschichten aufeinander treffen, macht es möglich, dass der Almkanal zwischen 1137 und 1143 bis in die Stadt ausgebaut werden kann. 

© Theresia Friedl

© Theresia Friedl

Nach vielen Detailinformationen zum Salzburger Almkanal, beispielsweise der Besichtigungsmöglichkeit im Herbst während der Almabkehr, besteigen wir den Mönchsberg und begegnen zwar keinen Mönchen, dafür aber jungen Ulmen, die sich nach dem großen Ulmensterben aufgrund des Ulmensplintkäfers in den 1970er-Jahren nun wieder ausbreiten. Man erkennt sie besonders gut an der doppelseitigen Blattbehaarung, sowie an dem asymmetrischen Blattstielansatz. 

 

Kultur, Natur und Geschichten…

Wir passieren das „Bürgermeisterloch“. Diese Verbindung zwischen dem Nonntal und der Altstadt verdanken wir dem Stadtverschönerungsverein von 1863 unter Bürgermeister Heinrich Ritter von Mertens. Beim „Roten Turm“ angekommen erfahren wir, wie sich die Besitzverhältnisse über die Jahrhunderte immer wieder verändern. Bis ins 19. Jahrhundert gehört er - zusammen mit einer kleinen Meierei - dem Kloster St. Peter. Nach wechselnden Eigentümern ist das Anwesen für weitere fast 150 Jahre in Besitz der Familie Frey, bis es schließlich 2009 der Industrielle Matthias Kaindl kauft und renoviert. Ähnlich ausführliche Informationen bekommen wir im Laufe des Spaziergangs zum „Kupelwieser-Schlössl“ mit dem Falkenturm, der „Grasmayr-Villa“, dem „Sigmundstor“ und dem Wassermuseum „Wasser.Spiegel“. 

 

© Theresia Friedl

© Theresia Friedl

Begleitet vom Duft des blühenden Holunders werden Berg- Feld- und Spitzahorn, Wachholder, Linde, Walnuss und eine 110-Jährige Blutbuche bestimmt, bevor Herr Brawisch erklärt, dass der Ausdruck „Das ist ein Hainbuchener“ auf das harte Holz der Hainbuche schließen lässt. Am Weg zur Richterhöhe werfen wir einen Blick auf den Südhang und sind überrascht, dass hier erfolgreich Wein angebaut wird.

Wir begegnen streng geschützten Eiben, Birken, Eichen, Wildem Liguster, Weißdorn,  Vogelkirschbäumen, der Mehlbeere sowie Kanadischen Tulpenbäumen, Japanlärchen und Robinien aus dem Gebiet der Donau-Auen und aus Ex-Jugoslawien. Zu beinahe jeder Baumart hören wir Anekdoten, die uns helfen die vielen Informationen miteinander zu verknüpfen.

 

Schöne Aussichten

Die Aussichtsplattformen werden mit großem Bedacht angelegt und je nach Bedarf verlegt. Der Schutz von Altbaumbeständen, natürliche Verjüngung sowie die genaue Beobachtung und Entfernung von kranken Bäumen haben Priorität. Zurzeit greift ein - durch einen Pilz  („Falsches Weißes Stengelbecherchen“) verursachtes - Eschentriebsterben um sich.

Stets ist darauf zu achten, welche Grundstücke am Berg in Privatbesitz sind und daher nicht bewirtschaftet werden dürfen. Gerade Schneisen will man zum Erhalt des Landschaftsbildes unbedingt vermeiden.

„Müsset im Naturbetrachten, immer eins wie alles achten…“ (Goethe)

Am Weg zurück erfreuen wir uns - bei der im Jahr 2011 eingeweihten buddhistischen Stupa - noch einmal an dem wunderbaren Ausblick. Unser (Forst-) Meister vermisst eine Lindenallee, die einem Sturm weichen musste und darf sich großer Anteilnahme seiner heutigen Gefolgschaft sicher sein.

 

© Theresia Friedl

© Theresia Friedl

 

Bericht von NH-Reporterin Theresia

 

 

 

 

 

AKTIONSTAGE HIGHLIGHT - Konsumkritischer Spaziergang

  

© Theresia Friedl

Freitag, 24.05.2019, 16:00 Uhr, Salzburg Hauptbahnhof – Vorplatz.
 

„Her mit dem guten Leben“

 … steht auf den Stofftaschen, mit denen uns Lisa-Marie Hiebl-Rausch, Praktikantin vom afroasiatischen Institut, Anita Rötzer von Südwind und Markus Roßkopf vom Referat für Weltkirchen empfangen.

2 x im Jahr findet in Salzburg ein konsumkritischer Spaziergang zu verschiedenen Themen statt. Passend dazu werden für jedes Thema symbolisch Orte für spannende Kurzvorträge als Reflexions- und Diskussionsgrundlage für interessierte BürgerInnen ausgewählt.

 

 

 

Quo vadis?

Der Bahnhof - perfekter Treffpunkt für den Einstieg von Markus in das Thema „Mobilität“, jener Sektor mit dem größten Verbrauch von endlichen Energiereserven. Es folgen Fakten und Statistiken. Von 10 Anwesenden ist nur eine Person mit dem PKW angereist. Zug, Bus, Lokalbahn, Fahrrad und die eigenen Beine werden heute von den TeilnehmerInnen bevorzugt frequentiert. Ein guter Schnitt, wenn man bedenkt, dass  jeder 4. Österreicher öffentliche Verkehrsmittel benutzt und bei mittlerweile 5 Mio. PKW-Zulassungen im Land. Größtes Problem in Bezug auf Treibhausgasemissionen ist immer noch der Flugverkehr. Kerosin doch endlich besteuern? Kurzflüge besteuern? Abschaffen? Mit Gedanken, wem denn der öffentliche Raum gehört, und wer wie viel Platz einnimmt begeben wir uns achtsam zur zweiten Station.

 

© Theresia Friedl

Elektroschrott

Anita inspiriert der Turm aus Elektrogeräten vor der Elisabethkirche um auf das Thema Elektroschrott bzw. faire Elektronik einzugehen. (ad Turm: Kunstprojekt von Hr. Lerch, in Erinnerung an den Turmbau zu Babel, wird soeben abgebaut. Wie passend!)

Die Devise lautet: Rethink, Recycle, Reduce, Repair + Reuse! Die Gewinnung der Rohstoffe, die vielen verschiedenen Metalle, sowie deren Verarbeitung geht auf Kosten der menschlichen Gesundheit, des Friedens und der Natur.  Angesichts der Tatsache, dass jährlich weltweit fast 50 Mio. Tonnen Elektromüll anfallen und nur 20 % davon recycled werden, könnte man ernsthaft darüber nachdenken, ob wirklich alle 18 Monate ein neues Smartphone her muss. Am Weg über den Pioniersteg fragen wir uns, wie groß das Potential von „fairer“ Elektronik ist.  Wann ist ein „phone“ fair? Südwind plant eine Veranstaltung zum Thema für den Herbst 2019.

 

Foodcoop Bonau Delta

Beim Sommerfest des Vereins „Foodcoop Bonau Delta“ (food-cooperation), in der Hans- Sachs-Gasse, erwartet uns Elisabeth Buchner und führt uns in einen kleinen Kellerladen. Sie erklärt, es gehe darum, als Konsument die Souveränität über das Einkaufsverhalten zurückzuerobern. Eine stabile Zusammenarbeit mit Bauern aus dem nahen Umkreis ermöglicht die Verfügbarkeit von saisonalen und regionalen Produkten. Auch Produkte aus internationalen Handelskooperationen werden ein- und verkauft. Ohne Gewinnspanne. Auch Produkte aus internationalen Handelskooperationen werden ein- und verkauft. Ohne Gewinnspanne. Jedes Mitglied hat 2 x pro Monat Ladendienst. Durch den Mitgliedsbeitrag (beträgt je nach Ermessen 7-15 €) wird die Ladenmiete bezahlt. Die Aufgaben werden basisdemokratisch aufgeteilt. 

© Theresia Friedl

Steigt die Anzahl der Mitglieder über 50,  so sollte eine neue Foodcoop gegründet werden. In Salzburg gibt es mittlerweile vier davon. Alle kritischen Spaziergänger werden freundlich zum heute sattfindenden Sommerfestpicknick des Vereins im Hans-Sachs-Park eingeladen. Doch wir müssen weiter, Hilde Wanner erwartet uns bereits im prächtigen Marmorsaal im Schloss Mirabell mit ausgewählten Kostproben von Produkten mit dem „Fair-Trade“-Gütesiegel.

 

 

 

© Theresia Friedl

Fair-Trade Stadt Salzburg

Seit 2014 wird Salzburg wiederholt mit dem Titel Fair-Trade-Stadt ausgezeichnet. Durch den Kauf von Produkten mit dem Fair-Trade-Gütesiegel soll den Bauern ferner Länder ein selbständiges Leben zu fairen Arbeitsbedingungen und fairen Preisen für ihre Produkte ermöglicht werden. Im Bereich Gesundheit und Bildung sorgt Heidi für die Verfügbarkeit von Faire-trade-Produkten und kooperiert mit verschiedenen Veranstaltern in Salzburg, um diese wichtige Entwicklungszusammenarbeit der Stadt  auch zu bewerben. Wieder werden wir eingeladen. Diesmal zu einem „Biofairen“ Frühstück.

 

 

 

Wann bist du glücklich?

Das fragt Anita zum Abschluss und lässt die Antworten auf rosa Kärtchen schreiben. Es wird von menschlichen Begegnungen und von Naturerfahrungen erzählt. Nicht aber von Dingen, die man kaufen kann. Diesmal nicht.

 

Bericht von NH-Reporterin Theresia

Aktion: Kaufen ohne Ende? Konsumkritische Spaziergänge

Besuch der Bio-Hofkäserei Fürstenhof in Kuchl / Salzburg

BIO-Hofkäserei Fürstenhof

In Kuchl, nur zehn Minuten vom Bahnhof Golling, am Fuße des Hohen Göll, bewirtschaften Michi und Maria Rettenbacher ihren Bio-Bauernhof. Die engagierte Bäuerin, Mutter und Pädagogin Maria hält Kurse zur Herstellung von Käse und Bio-Molke-Kosmetik.

Bis zu 70 Schulklassen jährlich

SchülerInnen der 3. Klasse der Tourismusschule Klessheim, tauchen am 22.5.2019 von 14:00-16:00 Uhr in die Welt des Käsens ein und produzieren eigenhändig in 2 Stunden Rohmilch-Frischkäse aus der gehaltvollen Milch von Jersey-Rindern und bekommen einen Einblick in die Bio-Landwirschaft.

 

© Leonie Schmitzberger

Wie geht das?

10 Jugendliche stehen vor 10 Kupferkesseln, gefüllt mit jeweils 2,5 Litern Milch. Maria, die das „Kasn“ bei ihrer Oma als Sennerin auf der Loseggalm in Annaberg gelernt hat, weiß wie’s geht.

Die ideale Temperatur der Rohmilch beträgt 39 Grad. Zum Ansäuern der Milch kann Sauerrahm oder Buttermilch verwendet werden. Hier jedoch wird, wie in Käsereien üblich, die Milch mit isolierten Bakterienkulturen „geimpft“, so sinkt der ph-Wert, die Milch wird sauer und es entsteht ein Milieu, in dem sich keine unerwünschten Bakterien vermehren.

Statt Lab, ein Enzym aus dem Kälbermagen, werden mit einer Pipette 25 Tropfen Essenz von mit Pilzen angereichertem Labkraut eingerührt. Würde mit pasteurisierter Milch gearbeitet, müsste für die Säuregerinnung Kalzium beigemengt werden. Die Rohmilch jedoch enthält davon genug. Laut Rezept wird nun eine halbe Stunde gewartet. Die SchülerInnen jedoch erwartet eine Hofführung mit kompakten Informationen über den Betrieb und die Milchwirtschaft.

 

© Leonie Schmitzberger

Jersey Rinder – eine nachhaltige Option

Auf der nahe gelegenen Weide treffen wir auf 20 Jersey Kühe. Verglichen mit anderen Milchkühen, sind sie klein und zart, geben aber Milch mit besonders hohem Fett- und Eiweißgehalt. Ideal für die Käseherstellung. Zudem sind sie widerstandsfähig, langlebig und brauchen wenig Futter, aber frisches Gras. Wir begleiten die Herde in den Stall und sind bei der Fütterung durch Bauer Michi und seinen Vater dabei. Der Freilaufstall mit Melkstand und bequemen sowie hygienisch sinnvollen Liegestädten. Maria erklärt, warum eine mittlerweile zehn Jahre alte, aber sehr intelligente Kuh, ein Nasenclip tragen muss. Sie habe entdeckt, dass die Milch ihrer Genossinnen gut schmecke und das Trinken dieser sei ihr anders nicht abzugewöhnen.

Zurück in der Stube wird nach gründlichem Händewaschen und erneutem Anlegen der Schürze der Frischkäse weiter verarbeitet.

 

© Leonie Schmitzberger

Weitere Schritte:

Allenfalls könnte jetzt mit Chili, Kräutern, Nüssen oder Kürbiskernen verfeinert werden. Heute bevorzugt „Natur“. Die Bruchstücke werden in kleine Siebgefäße gefüllt. Nach dem Abtropfen wird der Käse auf die offene Handfläche gestürzt, abgelegt und wieder in den Behälter gegeben. Nach zehn Minuten wird der Vorgang wiederholt. 30 Minuten ruhen lassen. Nicht jedoch die Gäste!

 

Verkostung

Es folgt eine Führung durch die Käserei und den Hofladen mit anschließender Verkostung von Käseproben mit Chutney- und Marmeladenbegleitung.

Zurück in der Stube wird der Frischkäse vor dem Abpacken noch einmal umgedreht und in ein kleines Tässchen für Aufbewahrung und Transport gegeben. Bei Zimmertemperatur muss der Käse nun mind. 12 bis max. 24 Stunden liegen. Dann mit 1 TL Salz eingerieben, umgedreht und in den Kühlschrank gegeben werden. Fertig.

Mit einem Geburtstagständchen für Maria bedanken sich die Schülerinnen und verlassen sichtlich inspiriert und motiviert den idyllischen Bio-Bauernhof.

 

Bericht von NH-Reporterin Theresia

Mini-Interview mit Marianna Lingg vom Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen

 

© M. Paar

Kurzbeschreibung Ihrer Tätigkeit

Mein Name ist Marianna Lingg. Ich arbeite am SIR- Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen im Fachbereich „Umweltbildung“. Mein Auftraggeber ist das Land Salzburg, Abteilung 5 für Natur und Umweltschutz

Was bedeutet eine Nachhaltige Entwicklung für Sie?

Kinder sind die Konsumentinnen und Konsumenten sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger von morgen, umso wichtiger ist es, bereits heute ihr Bewusstsein für unsere Lebensgrundlage zu schärfen. Da die Auswirkungen des Klimawandels vor allem künftige Generationen zu spüren bekommen werden ist es ein dringendes Anliegen, ebendiese schon von Kindesalter an zu informieren und zu sensibilisieren. Meine Aufgabe ist es, Kindern und Jugendlichen die nötigen Kompetenzen für verantwortungsvolles Handeln gegenüber Mitmenschen, Umwelt und Natur nachhaltig zu vermitteln und Lehrerinnen und Lehrer dabei zu unterstützen, relevante Umweltthemen wie Klimawandel, verantwortungsvolles Konsumverhalten, Übernutzung natürlicher Ressourcen etc., im Unterricht im Rahmen von Workshops zu vertiefen.

In welchem Bereich ist Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren besonders gefragt

Die größte Herausforderung in meinem Arbeitsumfeld liegt meiner Meinung nach darin, Kinder und Jugendliche das Thema Natur-und Umweltschutz auf positive und motivierende Art und Weise zu vermitteln und ein Bewusstsein zu schaffen, dass ihr eigenes Verhalten im Alltag in Bezug auf Klimaschutz vieles bewirken kann. 

Was ist aktuell die größte Herausforderung in Ihrem Arbeitsumfeld

Klimaschutz betrifft uns jedoch alle und sämtliche Ebenen müssen gleichermaßen ihren Beitrag leisten: von der Weltgemeinschaft über den Bund bis hin zu den Gemeinden, von Betrieben und Organisationen bis letztlich hin zu jede(m) einzelne(n) Bürgerin(in)!

 

NH-Reporterin Aglavaine Lakner beim Youth-Energy-Slam am 25. Mai 2018

Das spezielle Thema des Abends

Stell dir vor, es ist das Jahr 2050 und das Erdöl ist uns ausgegangen. Das Thema des Abends war „eine Welt ohne Erdöl“. Die Fragen im Vorfeld lauteten: Wie denkt die Jugend über den Klimawandel? Steht der Gedanke des Verzichten Müssens im Vordergrund oder gibt es noch andere Perspektiven?

Ines Strohmaier auf ihrer Zeitreise ins Jahr 2070, wo sie in Reimen ihrem Enkel vom Erdölzeitalter erzählt

 

Die Veranstalter*innen

Der YouthEnergySlam ist ein Format des Klima- und Energiefonds und findet im Rahmen des Risikodialogs in Kooperation mit JUMP heuer zum 2. Mal statt. Da die Veranstaltung heuer in Salzburg – Tribüne Lehen – stattfand, war als lokale Partnerin Südwind Salzburg mit an Bord. Eine kurze Vorstellung der Veranstalter*innen: Der Klima- und Energiefond wurde 2007 durch die österreichische Bundesregierung ins Leben gerufen, um neue, innovative Wege für den Klimaschutz und eine nachhaltige Energiewende zu entwickeln und zu fördern.

Der Risikodialog ist eine Plattform für Vernetzung und Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Es sollen Grenzen geöffnet und Brücken gebaut werden. 2007 auf Initiative von Umweltbundesamt und Radio Ö1 ins Leben gerufen, beschäftigt man sich mit Zukunftsfragen wie Klimawandel, Nanotechnologie und Energie, Bioökonomie bis hin zu Jugendpartizipation und Digitalisierung.

Die Jugendumweltplattform JUMP wiederum hat sich zur Aufgabe gemacht, junge Menschen zu motivieren, sich für eine zukunftsfähige und umweltbewusste Gesellschaft einzusetzen.

Südwind schließlich setzt sich als entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation seit über 35 Jahren für eine nachhaltige globale Entwicklung, Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen weltweit ein.

 

Was ist ein Poetry-Slam?

Es handelt sich um einen Dichterwettstreit, den es in dieser Form seit den 1980er Jahren gibt, und der jungen Menschen ein Podium bieten soll. Dabei gibt es ein paar Regeln:

Das Voting

 

Die Teilnehmer*innen und ihre Texte

An der Veranstaltung nahmen 10 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 26 Jahren aus ganz Österreich von Wien bis Vorarlberg teil.

In der Darbietungsform spannte sich der Bogen von Gedichten in Versen oder Prosa über einen Song, einem Anruf aus der Zukunft, Zeitreisen ins Jahr 2050+, eine Meditation zum Thema Energie bis hin zur scheinbar langweiligen Geschichte über 2 begeisterte Bergsteiger, die rechtzeitig umdrehen, weil sich ein Wetterumschwung ankündigt.

Die Entscheidung war sehr knapp und eigentlich gab es nur Gewinner*innen, da die Wertungen durch die Bank zwischen 7 und 9 Punkten lagen. Letztendlich können aber leider nur 7 Slamer*innen beim Finale am 12. Oktober in Linz teilnehmen. Dieses findet im Rahmen der Messe WairFair +mehr in der Tabakfabrik, Peter-Behrens-Platz 11 statt.

Dort könnt ihr euch selbst ein Bild der Qualität der Beiträge von Hannah, Peter, Tanja, Ines, Laura, Akitas und dem Duo David und Julian machen. Wer da keine Zeit hat, kann auch auf YouTube unter „Youth Energy Slam 2018“ die Vorentscheidung Revue passieren lassen.

Gruppenbild der TeilnehmerInnen mit Moderator Ivica

 

Beeindruckt von den Gedanken und Performances der jungen Poetinnen ist eure

NH-Reporterin Aglavaine Lakner  

Fotos: © Land Salzburg

NH-Reporterin Aglavaine Lakner bei „Pongau barrierefrei?! – Check“

Also mal ganz ehrlich: Woran denkt ihr beim Thema barrierefrei? Ich selbst hatte mir in erster Linie Rollstuhlfahrer*innen vorgestellt, die aufgrund von Stufen oder anderen Hindernissen keinen Zugang zu gewissen Orten haben. Doch diese Veranstaltung hat mir die Augen geöffnet. Barrierefreiheit betrifft nicht nur Gehbehinderte, nein, in unserer Gesellschaft gibt es auch Barrieren für Menschen, die Probleme beim Sehen und/oder Hören, oder soziale und psychische Beeinträchtigungen haben. Dabei wird klar, dass Integration, die lediglich einen Raum für benachteiligte Menschen innerhalb vorhandener Strukturen schafft, zu wenig ist. Das Ziel ist vielmehr Inklusion, das heißt, dass gesellschaftliche Strukturen so angepasst werden müssen, dass sie allen Menschen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten besser gerecht werden. Das beginnt damit, Orte für alle erreichbar zu machen, betrifft aber ebenso ein Verständlichmachen von Inhalten durch einfachere Sprache oder Gebärdendolmetscher*innen.

 

Die ARGE Barrierefreiheit und Inklusion Pongau

stellte sich am 28.5. von 15.00 bis 18.30 Uhr im Schifferpark in St. Johann vor. In dieser Arbeitsgemeinschaft vernetzen sich die verschiedenen Vereine und Organisationen für und von Menschen mit Beeinträchtigungen. Vertreten waren die Lebenshilfe, der Österreichische Zivilinvalidenverband (ÖZIV), die Soziale Initiative Salzburg, Pro Mente, Frühförderung Hören und Sehen, der Verein Knack:punkt selbstbestimmt leben sowie Forum Familie. Auch über Gebärdensprache und Barrierefreiheit im Museum wurde informiert.

Initiiert und gefördert hat die Veranstaltung Leader Lebens.Wert.Pongau. Leader ist ein EU-Förderprogramm zur Stärkung der ländlichen Entwicklung, das es im Land Salzburg in allen Regionen außer im nördlichen Flachgau und im Tennengau gibt. Es geht um die Verbindung von Mensch, Natur, Kultur und Wirtschaft. Gefördert werden Projekte in den Themenfeldern „Wertschöpfung“, „Natur und Kultur“ sowie „Gemeinwohl“, wobei die Förderung bis zu 80% des Projektbudgets betragen kann und von EU, Bund und Land kommt.

Die beiden Mitarbeiterinnen Cathrine Maislinger und Michaela Frahndl unterstützen aber nicht nur beim Förderantrag, sondern helfen Menschen, die eine Idee haben, schon bei der Projektentwicklung und der Suche nach Projektpartner*innen.

Jedes Jahr setzt sich das engagierte Leader-Team ein Schwerpunktthema. Ging es letztes Jahr um Klimawandelanpassung, so steht heuer die Barrierefreiheit im Mittelpunkt.

 

Schon die Begrüßung durch Leader Geschäftsführerin Cathrine Maislinger steht ganz im Zeichen der Barrierefreiheit und wird durch eine Gebärdendolmetscherin übersetzt.

 

Pongau barrierefrei ?! - Check

Ziel des Nachmittags war es, auf die Arbeitsgemeinschaft aufmerksam zu machen, die Mitgliedsorganisationen vorzustellen und auch die Kontakte untereinander zu intensivieren.

Der Schifferpark bot die perfekte Bühne, Menschen, die zufällig vorbeikamen, anzusprechen und zum Zuhören und Mitmachen zu motivieren. Dazu gab es Stände mit Infomaterialien und Gesprächsangeboten, ein Improvisationstheater, und jede*r Interessierte konnte am eigenen Leib erfahren, wie sich bestimmte Beeinträchtigungen anfühlen. Beim Rollstuhlfahren zeigte sich, dass schon leichte Steigungen die Armmuskulatur erheblich beanspruchen, mithilfe von Spezialbrillen konnten verschiedene Sehbehinderungen erlebt werden, und schließlich gab es speziell für Blinde gemachte Bücher, Brettspiele und sogar einen „Blindenball“. Letzterer funktioniert mithilfe eines Geräusches und wurde von den Kindern begeistert getestet.

Auch Rollstuhlrennen sind bei den Kindern sehr beliebt.

 

Den Abschluss der sehr informativen und kurzweiligen Veranstaltung bildete der Auftritt des selbst körperlich beeinträchtigten Stand-up Comedian David Stockenreiter. Er brachte den Anwesenden das Thema Barrierefreiheit und Inklusion auf kabarettistische Weise nahe und alle Zuhörer*innen damit einerseits zum Lachen, aber auch einmal mehr zum Nachdenken über den Umgang unserer Gesellschaft mit allen, die von dem, was als normal definiert wird, abweichen.

Stand-up Comedian David Stockenreiter bei seiner Performance

Bericht von NH-Reporterin Aglavaine Lakner 

Fotos: © Land Salzburg

NH-Reporterin Aglavaine Lakner bei „Pflanzen essen – Veganes Weltdinner“ am 24. Mai 2018

Das Afro-Asiatische Institut Salzburg (AAI)

ist eine Non-Profit-NGO, die im entwicklungspolitischen Bereich agiert. Bereits seit der Gründung des Institutes (1988) steht dabei der interkulturelle und interreligiöse Dialog im Vordergrund. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Bildung, Beratung und Begleitung.

Zweimal im Semester veranstaltet das AAI ein Weltdinner. Am 24. Juni stand dieses im Zeichen veganer, also rein pflanzlicher Ernährung.

Der Referent Andreas Hirnsperger

studierte Mathematik und Sport, ist seit 6 Jahren Veganer und seit 2017 Trainer für diese Ernährungsform. Er brachte den rund 20 Teilnehmer*innen die vegane Lebensweise näher.

Für ihn selbst war es nie ungewöhnlich, kein Fleisch zu essen, da sich Mutter und später auch Schwester vegetarisch ernährten. Vor 7 Jahren beschloss er, keine Tiere mehr zu essen und ein Jahr später verzichtete der begeisterte Sportler generell auf alle tierischen Produkte.

Vorteile einer Ernährung ohne Nahrungsmittel tierischen Ursprungs

Gerade als Bergläufer schätzt Hirnsperger das leichte vegane Essen, das die Verdauung weniger belastet und mehr Vitamine und Mineralstoffe enthält, denn unsere traditionelle westliche Ernährung hat zwar eine sehr hohe Energiedichte, dafür aber einen sehr geringen Nährstoffgehalt. Das führt zu Übergewicht bei gleichzeitiger Mangelernährung.

Wichtig war dem Referenten zu betonen, dass es natürlich um eine abwechslungsreiche Kost mit frischen Produkten geht, denn natürlich ist es auch möglich sich als Veganer*in ungesund zu ernähren. Viele vegane Fertigprodukte sieht der Referent hier sehr kritisch (zu süß, zu salzig, zu fett).

Durch den Verzicht auf tierische Produkte könnte nur eine Unterversorgung mit dem Vitamin B12 problematisch werden, das ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt. Veganer*innen sollten dieses deshalb durch Präparate ergänzen oder „nicht zu Tode gewaschenes“ Gemüse verzehren, wo es in den Randschichten vorhanden ist. Ansonsten spricht jedoch aus gesundheitlicher Sicht vieles nicht gegen, sondern sogar für diese Ernährungsform.

Aber nicht nur gesundheitliche, auch ökologische Gründe werden ins Treffen geführt. So sind etwa der Energie- und Ressourcenverbrauch für die Erzeugung von Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten um ein Vielfaches höher, als bei pflanzlicher Kost. Um 1kg Rindfleisch zu erhalten muss ich zuerst 7kg Getreide verfüttern, anders gesagt werden 7 Mal mehr Menschen mit Getreide satt, als mit Fleisch. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass über 90% der weltweiten Sojaernte an Tiere verfüttert wird. Dieses Soja wird vor allem dort angebaut, wo zuvor Regenwald abgeholzt wurde, weil wir bei uns in Europa nicht genügend Fläche für den Anbau zur Verfügung haben. Soja wächst nämlich auch bei uns. Aus europäischem Soja werden hauptsächlich die Sojaprodukte für Menschen hergestellt.

Auch der Wasserverbrauch bei der Herstellung tierischer Produkte ist enorm und pflanzliche Nahrungsmittel haben 40% weniger Treibhausgase im Gepäck als tierische.

Zuletzt werden noch ethische Gründe für eine vegane Ernährung erwähnt. Ob es grundsätzlich legitim ist, Tiere zu töten bzw. zu nutzen, muss natürlich jede*r für sich selbst entscheiden, aber das unsägliche Tierleid, das durch Massentierhaltung entsteht, ist sicherlich ethisch nicht vertretbar.

Die Zubereitung der Vorspeise

 

Wir bereiten ein veganes Menü zu

Was kann ich als Veganer*in nun eigentlich essen? Die Teilnehmer*innen erfuhren das nun praktisch bei der Herstellung eines veganen Menüs, bestehend aus bunter Salatrolle mit Erdnussdip, Quinoa-Risotto mit grünem Spargel und Champions und Brownie-Cheesecake Torte. Es wurde eifrig geschnipselt, gekocht, gebacken und anschließend unter Ahs und Ohs und Mmms verzehrt. Alles in allem ein sehr interessanter, lehr- und genussreicher Abend.

Für mich – ich bin seit über 30 Jahren Vegetarierin – war es eine Anregung, öfter bewusst vegan zu kochen, weil es so schmackhafte Rezepte gibt.

Eure NH-Reporterin Aglavaine

Beim Genuss der leckeren Gerichte werden Erfahrungen und Rezepte ausgetauscht

 

Fotos: © Land Salzburg 

NH-Reporterin Aglavaine Lakner beim Pongauer Business Frühstück am 5. Juni 2018

>> Das Format „Business Frühstück“ wendet sich an Unternehmer*innen aus der Region. In gemütlicher Atmosphäre sollen aktuelle Themen angesprochen werden.

Auf Einladung von Leader Lebens.Wert.Pongau, der Werbegemeinschaft St. Johann, Bischofshofen, Schwarzach (SBS), Wirtschaftskammer Salzburg und Frau und Arbeit trafen sich  am Morgen des 5. Juni ca. 15 Unternehmer*innen in der Pongauer Stube des Hotels Alpenland in St. Johann, um über das schwierige Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf informiert zu werden und zu diskutieren. Die Fragen im Vorfeld lauteten: Welche persönlichen Erfahrungen haben die Teilnehmenden? Wie wird das Problem aus der Sicht des Unternehmens gesehen? Gibt es bereits gute Beispiele in der Region?

Leader Geschäftsführerin Cathrine Maislinger (Mitte) ist Ansprechperson für Ideen zur Förderung des ländlichen Raumes. Sie hilft bei der Entwicklung von Projekten, der Suche nach ProjektpartnerInnen und der Beantragung von Fördergeldern.

 

Ein Beispiel aus der Praxis

Zunächst erzählte Frau Dr. Doris Aufmesser, Ärztin für Allgemeinmedizin und Leiterin der Betriebe Dr. Aufmesser GmbH mit bis zu 40 Angestellten von ihrem Weg zur betrieblichen Kinderbetreuung. Das Unternehmen besteht aus einer Ordination, einer Klinik und einem Appartementhaus. Die junge Unternehmerin ist als Mutter einerseits persönlich vom Thema betroffen, andererseits stellte sie im Betrieb fest, dass es immer schwieriger wird gute Mitarbeiter*innen zu gewinnen und vor allem auch zu halten. Nach Mutterschutz und Karenz kommen die meisten nicht zurück, weil eine mit den Arbeitszeiten kompatible Kinderbetreuung fehlt.

Mit flexiblen Arbeitszeiten lassen sich nur die Bereiche lösen, in denen es nicht wichtig ist, wann die Arbeit erledigt wird – etwa im Büro. Also wurde nach einer Lösung gesucht und diese schließlich in der Anstellung einer Betriebstagesmutter gefunden. Im Gegensatz zu einer Betriebstagesstätte gibt es weniger gesetzliche Vorgaben. Unterstützt werden Unternehmen, die diesen Weg gehen wollen vom Zentrum für Tageseltern (TEZ). Es musste nur eine geeignete Wohnung gefunden und angemietet werden. Dort betreut nun eine erfahrene Tagesmutter im Moment 4 Kinder im Vorschulalter, also die Maximalzahl. Schulkinder dürften noch dazu genommen werden. Im Herbst soll aufgrund der wachsenden Nachfrage eine 2. Tagesmutter angestellt werden. Vor allem der Betreuungsbedarf für unter 3-jährige ist sehr hoch.

Im Moment betreut die Betriebstagesmutter die Kinder von MO-DO von 7.30 – 13.30, wobei eine fixe Anpassung von Betreuungs- und Dienstzeiten durch die unterschiedlichen Kollektivverträge leider nicht ganz möglich ist. Wichtig ist auch noch, dass es eine fixe Vertretung gibt, die die Kinder kennen, wenn die gewohnte Betreuerin krankheitsbedingt ausfällt oder Urlaub hat.

Finanziell sind der Kooperationsbeitrag fürs TEZ, die Wohnungsmiete und die Verpflegungskosten vom Betrieb zu bezahlen, beim Gehalt der Tagesmutter zahlen die Familien einen einkommensabhängigen Selbstbehalt, der Rest sollte von den Heimatgemeinden kommen, die aber fallweise Förderungen verweigern, wenn sie selbst freie Plätze haben.

Der Nutzen betrieblicher Kinderbetreuung für das Unternehmen ist nicht in Zahlen messbar, aber spürbar in der Verbesserung des Betriebsklimas und an der Mitarbeiterbindung. Außerdem ist es natürlich positive Öffentlichkeitsarbeit.

Doris Aufmesser (rechts) beim Gespräch im Anschluss an ihren Vortrag

 

Wie geht es weiter?

Im Anschluss informierte uns Sabine Pronebner vom Forum Familie Pongau über die verschiedenen Möglichkeiten betrieblicher Kinderbetreuung und die notwendigen Schritte von der Bedarfserhebung bis zur Mitarbeitersuche. Dann wurden in 3 Gesprächsgruppen Problemfelder ausgemacht und protokolliert. Besonders diskutiert wurden die Probleme mit zu wenig Flexibilität in der Kinderbetreuung, die oft an gesetzlichen Vorgaben scheitert und mit den unterschiedlichen Dienstzeiten der Eltern schwer in Einklang zu bringen ist. Tatsache ist leider auch, dass von den meisten Arbeitgebern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch immer als Frauenthema betrachtet wird. Die Ergebnisse der Gespräche werden nun an die zuständigen Stellen in Gemeinden und Land weitergeleitet und dort hoffentlich aufgegriffen, wünscht sich

NH-Reporterin Aglavaine Lakner

 

Das Veranstalter*innenteam

 

Fotos: © Land Salzburg

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