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Mit Mutter Natur muss man rechnen - Ein Vortrag über Ökosystemare Dienstleistungen

Dr. Udo Nehren forscht an der TH Köln im Bereich des Ökosystem-Managements. Am 22. Mai hielt er an der Universität Innsbruck einen öffentlichen Vortrag. Dieser trug den Titel „Macht euch die Erde untertan“. Darin warf der Geograph Fragen über die Grenzen der Ausbeutung der Natur auf, die Möglichkeiten den Wert ihres „Service“ zu messen und Leistungen der Natur methodisch zu erheben.

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Unsere Ökosysteme leisten etwas

Zunächst verdeutlichte Professor Nehren die Idee der Ökosystemaren Dienstleistung anhand der Dünen in Holland und Chile, die dort nicht nur Sandressource sind, sondern auch eine vielseitige Schutzfunktion erfüllen. Ähnlich verhält es sich mit den Mangrovenwäldern in Indonesien, die nicht nur die Küsten sichern, sondern genauso eine wichtige Kohlenstoffdioxid-Speicherfunktion haben. Aber warum und wie misst man so etwas? Nehren machte in seinen Ausführenden deutlich, dass man Ressourcen und Ökosysteme viel zu lange einseitig betrachtet hat. Beispielsweise wurde der Regenwald bisher vor allem nach seinem Holzwert bewertet, sogar von großen internationalen Institutionen wie der WFO.

Nehren selbst hat bereits Versuche unternommen, andere Ökosystemare Güter und Dienstleistungen zu bewerten, zu messen und in Geld auszudrücken. Sie erwiesen sich als komplex und aufwändig, aber möglich.

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Was bringt dieser enorme Bewertungs-Aufwand?

Diese Herangehensweise an den Naturschutz wurde vom Publikum unterschiedlich aufgenommen. Auf eine Frage zu Alternativen zu dieser Ökonomisierung der Natur, verwies Nehren auf die Bewusstseinsbildung. Allerdings merkte er an, dass diese oft unzureichend ist und der Schutz für viele Länder der Welt nicht leistbar ist. Er erklärte, dass Forschungen zu Ökosystemaren Dienstleistungen daher ein sinnvoller Beitrag sein könnten, um ökonomische Werte von Ökosystemen sichtbar zu machen. Außerdem geht der Geograph davon aus, dass sie von politischen Entscheidungsträgern und Experten der Raumplanung zukünftig häufiger nachgefragt werden. Allerdings merkte Herr Nehren an, dass Kleinstaaterei für die weltweite Nachhaltigkeit natürlich nichts bringt und auch global gedacht werden sollte.

Der Vortrag endete mit einer Gegenüberstellung von pro und contra Argumenten. Im Anschluss gab es noch zahlreiche spannende Redebeiträge, in denen vor allem die Schwächen und Probleme der Forschung stärker diskutiert wurden.

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Fotos: © CO

Christina Oberleiter | NR-Reporterin für Tirol