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Die Spitzenbachklamm – Einblick in geologische Vorgänge

Am 27.5.2017 trifft sich bei Kaiserwetter eine kleine aber motivierte Gruppe vor dem Gemeindeamt am Hauptlatz von St.Gallen. Die Naturparkakademie Steiermark lädt an diesem Vormittag zu einem ganz speziellen Seminar. Eine Wanderung mit Einblicken in die geologischen Vorgänge steht am Programm. Unter der Führung von Herrn Gulas, der als Betreuer fungiert, und Herr Dr. Kollmann, der als Referent auftritt, wird pünktlich um 9.00 der Weg zur Spitzenbachklamm in Angriff genommen. Ziel der Rundwanderung ist die geologischen Formationen und unterschiedlichen Gesteine im Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen zu begutachten.  

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Ab ins Grüne – der Aufbruch zur Rundwanderung

Nach einer kurzen Einführung nach Eintreffen aller Teilnehmer und der Übergabe eines Handouts über die Inhalte der bevorstehenden Wanderung geht es auch schon los. Flotten Schrittes wird das Ortszentrum hinter sich gelassen. Schon beim Weg in die Klamm findet Dr. Kollmann immer wieder Zeit die entlang der Route zum Vorschein tretenden Gesteinsschichten und Ablagerungen mit seinem geologischen Fachwissen kurz zu erläutern. Bereits hier, nach wenigen Metern der Wanderung, ist der einzigartige Antlitz der Pflanzenwelt des Natur- und Geoparks Steirische Eisenwurzen erkennbar: Ringsum wo das Auge hinfällt blühende Blumen, Sträucher, Bäume und grüne Wiesen. Durch die einfallende Vormittagssonne scheint alles noch farbenfroher als es schon von Haus aus ist.

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Dem Spitzenbach entlang der Klamm entgegen    

Bei einem kurzen Abstecher durch einen Waldweg und über einen kleinen Bach zeigt Dr. Kolllmann eine versteckte Hölle. Ein erstes kleines Highlight des Ausflugs. Im weiteren Verlauf der Wanderung hält Dr. Kollmann immer wieder an um auf die sichtbaren geologischen Besonderheiten der Umgebung hinzuweisen. So beschreibt er unteranderem den gut erkennbaren Gesteinsdeckenbau der Kalkalpen, die am Wegrand liegenden Gesteinsablagerungen und die ebenfalls in der Landschaft gut ersichtlichen Deckengrenzen. So vergeht der kurzweilige Vormittag recht rasch. Denn Anstrengungen durch die steigenden Temperaturen und den ansteigenden Weg wird durch diese Pausen und den Schatten der Bäume entlang des Grabens Einhalt geboten. Auch an Trinkwasser mangelt es nicht. Mit dem gut zugänglichen Spitzenbach hat man einen ständigen Lieferanten an glasklarem Frischwasser. Das Rauschen des entgegenfließenden Baches ist hier das einzige Geräusch, welches man aus der Umwelt vernimmt. Kein Handyleuten, keine Motorgeräusche und kein Stadtlärm – an dieser Stelle steht nur die Natur im Vordergrund.

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Geologische Highlights

Wahrlich beeindruckend sind dann die riesigen steilen Felswände der Klamm. Links und rechts entlang der Forststraße erheben sich die gigantisch wirkenden Schichten aus Dolomitgestein. Auch hier verweist Dr. Kollmann wieder auf die Brüche und die daraufhin erfolgten Bewegungen des Gesteins. Sie sind verantwortlich für die Bildung von Vorsprünge bzw. Rinnen. Auch die formbildenden Verwitterungen an den Ablagerungen sind aus den hervortretenden Gesteinen immer wieder gut erkennbar.    

Mittagspause bei der Teufelskirche

Um die Mittagszeit ist die Hälfte des Weges geschafft und die Spitzenbachklamm durchquert. Es geht abermals bergauf zur sogenannten Teufelskirche. Während dieses Bergaufmarsches bietet sich ein unwiderstehlicher Ausblick auf die darunterliegende Spitzbachklamm bzw. auf dessen steile Felswände. Auf einer Seehöhe von 930 m erreicht die Gruppe schließlich die zuvor erwähnte Teufelskirche. Sie entstand durch im Wasser gelöste Kohlensäure und die darauffolgenden Gesteinsverwitterung, wie Dr. Kollmann mitteilt. Die Teufelskirsche ist nämlich eine Höhle, welche sich durch fensterartige Durchbrüche zur Außenwelt hin an der Höhlendecke auszeichnet. Zur Höhle selbst, die auch als Höhlenruine bezeichnet wird, gibt es auch eine Sage, welche Vorort auf einer Holztafel verewigt ist. Der Inhalt der Sage wird an dieser Stelle nicht verraten. Wer sie erfahren will muss die Teufelskirche im Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen schon persönlich aufsuchen.

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Rückweg über die Hochebene Kohlmann

Nach einer kurzen Pause an diesem höchsten Punkt der Rundwanderung, geht es nun wieder bergab in Richtung St.Gallen. Am Weg hinab wird der Bauernhof Kohlmann passiert, welcher auf einer Hochebene liegt, die von Schottern aus einer bis zu 500.000 Jahren zurückliegenden Eiszeit gebildet wird. Dort wird noch kurz halt gemacht und den letzten Ausführungen von Dr. Kollmann gelauscht, ehe die Rundwanderung wieder am Ausgangspunkt im Zentrum von St. Gallen endet. Eines ist gewiss, der Star dieses Seminars war definitiv die überwältigende Landschaft des Natur und Geoparks Steirische Eisenwurzen.

Die Wanderung durch den Natur- und Geopark ist vor allem ein gutes Beispiel für das was das Konzept der Nachhaltigkeit zu bewahren versucht. Nämlich die Natur mit ihren einzigartigen Pflanzen und Tieren. Bei der Wanderung durch Jahrtausende altes Gestein wird einem erst bewusst das man hier nur Gast ist auf dieser Welt.

Bericht von NH-Reporter Benjamin.

Fotocredit: © Land Steiermark