Rollende Orte der Begegnung – mit Bussen nachhaltig mobil in Salzburg

Serie zu „Caring Communities“
Mit der Rubrik zu „Caring Communities“ setzt die Arbeitsgruppe „Zukunft lokal gestalten“ einen wichtigen Schwerpunkt und rückt soziale Netzwerke und sorgende Gemeinschaften in den Mittelpunkt. Als Salzburger Beispiel in dieser Reihe stellen wir nachhaltige Mobilitätslösungen vor, die aus Beteiligungsprozessen hervorgingen.
Caring Communities oder sorgende Gemeinschaften in Städten und Gemeinden beschreiben eine Sorgekultur, wo es vor allem darum geht, Beteiligung zu ermöglichen, zivilgesellschaftliches Engagement zu fördern, soziale Netzwerke oder private Hilfsnetzwerke zu etablieren oder auf die Ausbildung von Freiwilligen zu setzen, um hilfsbedürftige Menschen besser unterstützen zu können.
Zu einer solchen, umfassenden Zukunftsperspektive vor Ort gehören auch nachhaltige Mobilitätslösungen, diese vereinen meist mehrere Parameter – zum einen geht es darum, mit kleinräumigen Verkehrslösungen einen Lückenschluss zu ermöglichen, also die klassische „letzte Meile“ im Öffentlichen Nahverkehr zurückzulegen. Zum anderen ist das Prinzip „niemanden zurück zu lassen“ wichtig, also gerade auf jene Personen zu schauen, die aufgrund von Alter oder Einschränkung Nachteile hätten, weil sie nicht so mobil sein können und hier Abhilfe benötigen.
Das Beispiel des Taugler Bürgerbusses etwa macht noch weitere Dimensionen sichtbar: Wöchentlich organisierte Einkaufsfahrten für Senior:innen schaffen nicht nur die Möglichkeit für notwendige Besorgungen sondern haben ein zusätzliches, verbindendes Element. Sie schaffen Struktur, wirken Einsamkeit entgegen und vereinen eine Gemeinschaft von helfen wollenden Menschen mit jenen, die niederschwelligen Zugang für Unterstützung benötigen. So betrachtet, sind nachhaltige Mobilitätslösungen oft auch rollende dritte Orte auf Rädern, sie verbinden, ermöglichen Teilhabe und lassen Gemeinschaft erleben.
Es folgen nun fünf exemplarische, gut etablierte Mobilitätskonzepte aus Salzburg, manche von ihnen sind direkt aus einem Beteiligungsprozess heraus entstanden.
Faistenau mobil
Die Initiative „Dorfmobil“ in Faistenau hat ihren Ursprung in einem Lokalen Agenda-Prozess. Sie setzt auf „mobil bleiben“, dies gerade im höheren Alter. Ältere Menschen können den Fahrtdienst von Montag bis Freitag für unterschiedliche Erledigungen des Alltags nutzen. Organisiert wird dieser von rund 20 ehrenamtlichen Helfenden, die Gemeinde Faistenau zahlt die Leasingrate und Betriebskosten für das Auto. Genutzt werden kann der Fahrtdienst etwa für Arztbesuche, Kirchgänge oder für die Fahrt zum Einkauf.
Bürgerbus Taugl
Beim Agenda-Prozess im Jahr 2017 in St. Koloman entstand der Taugler Bürgerbus als zusätzliches öffentliches Verkehrsmittel für die Gemeindebürger:innen. Von Ehrenamtlichen betrieben, bringt dieser Senior:innen zum regelmäßigen Einkaufen oder Kinder zum Fußballtraining und fördert dadurch auch das Gemeinschaftsgefühl.
Bürgerbus der Gemeinde
W3 Shuttle im Pongau
Ebenfalls aus einem Beteiligungsprozess – hier auf regionaler Ebene – wurde 2018 das „W3-Shuttle“ im Pongau geschaffen. Auf Vorlage des Shuttles in Werfenweng entstand der Wunsch, dieses auch auf die Gemeinden Werfen und Pfarrwerfen auszudehnen und zu kooperieren. Das W3-Shuttle bringt seither Gäste und Einheimische in Werfenweng, Pfarrwerfen und Werfen direkt vor die Haus- oder Hoteltür und wurde im Jahr 2023 auch als Sieger in der Kategorie nachhaltige Gemeinde beim Energy Globe Salzburg ausgezeichnet. Im Dezember 2025 erfolgte dann nochmals eine Erweiterung und inkludiert nun auch den Ort Bischofshofen.
Mikro-ÖV Pongau
Thalgau mobil
Den Gemeindebus „Thalgau Mobil“ gibt es seit Herbst 2020, dieser soll Senior:innen, aber auch anderen Bürger:innen, die Unterstützung in ihrer Mobilität benötigen, Wege des täglichen Lebens erleichtern. Ein Mobilitätsdienst entlastet auch Angehörige und fördert das Gesellschaftsleben, möglich wird dies durch freiwillige Fahrer:innen.
Gemeindebus „Thalgau Mobil“
Tennengau-Shuttle
Das Tennengau Shuttle ergänzt das bestehende Angebot an Öffentlichem Nahverkehr in den vier Gemeinden Puch, Oberalm, Adnet und Krispl. Durch zwei Kleinbusse sind bislang weniger gut erreichbare Gebiete nun deutlich besser an den Linienverkehr angebunden.
Beispiele wie das Tennengauer Shuttle geben auch Anlass, die Raumordnung zukünftig anzupassen, damit ein Mikro-ÖV anerkannt und vermehrt in Gemeinden zum Einsatz kommt.
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Link zur Arbeitsgruppe „Zukunft lokal gestalten“ und Schwerpunkt Caring-Communities
