Nahversorgungszentrum Lebensraum in Neutal

Serie zu "Dritten Orten"
Mit der Rubrik zu den „Dritten Orten“ setzt die Arbeitsgruppe „Zukunft lokal gestalten“ einen wichtigen Jahresschwerpunkt und gibt diesen auch „neuen Orten der Begegnung“ eine Präsenz, als nächstes Beispiel in dieser Reihe stellen wir das Nahversorgungszentrum Lebensraum in Neutal im Burgenland vor.
Auch die Gemeinde Neutal im Bezirk Oberpullendorf im Mittelburgenland kämpfte mit dem Thema Nahversorgung. Nach Schließung der Infrastruktur im Gemeindezentrum und umgeben von Einkaufszentren in der näheren Region wurde in einer repräsentativen Bürgerbefragung im Jahr 2021 erhoben, welchen Stellenwert eine Attraktivierung der Nahversorgung in der eigenen Gemeinde hätte – dies mit dem Ergebnis, dass mehr als 90 Prozent der befragten Bevölkerung diese für wichtig bis sehr wichtig hielten.
Errichtung des Nahversorgungszentrums Lebensraum
Aufgrund dieses sehr eindeutigen Ergebnisses entschloss sich die Gemeinde unter der bereits verfolgten Strategie der Flächennutzung von Leerstand und des Schließens von Baulücken im Ortszentrum eine Immobilie zu erwerben, um dort das „Nahversorgungszentrum Lebensraum“ zu errichten. Das neue Zentrum vereint als Gesamtprojekt Neutal unter einem Dach nicht nur einen Nahversorger sondern bietet Gemeinschaftsräume für Mehrfachnutzung wie Jugendtreffs oder Homeoffice, eine Arztpraxis sowie eine Bibliothek, darüber hinaus wurde auf Grünraum in Form eines großzügigen Freiraums geachtet.
Um die Nahversorgung zu ermöglichen wurde eigens eine neue Gesellschaft „Unser Geschäft“ mit den Gesellschaftern der Gemeinde Neutal und einem Unternehmer gegründet. Das macht die Gemeinde nicht nur zum Gebäudeeigentümer des Nahversorgungszentrums sondern auch zu einem Betreiber einer öffentlich-privaten Partnerschaft und sichert somit die eigene Nahversorgung.
Ein besonders kundenfreundlicher und persönlicher Betrieb wird durch ein im Burgenland einzigartiges Hybridmarktsystem mit einer entsprechenden digitalen Ausstattung ermöglicht: Auf 250m² Verkaufsfläche kann auch außerhalb der Bedienungszeiten mittels Bankomatkarte oder Handy-App eingekauft werden, was das Geschäft zu einem digitalen Vorreiter im österreichischen Lebensmittelhandel macht. Zudem werden viele regionale Lebensmittel und Spezialitäten aus der unmittelbaren Umgebung angeboten.
Projekt „Grün- und Freiraum für Verweilen und Mobilität“
In einem neu gestalteten Freiraum wird das Nahversorgungszentrum „wie eine Klammer“ umschlossen und verbindet so das Gemeindeamt im Westen mit der Bibliothek im Osten. Diese neue Grünfläche soll die Gemeindebürger:innen zum Verweilen einladen und Besucher aus anderen Gemeinden anziehen. Erarbeitet wurde das Projekt im Rahmen von Bürgerbeteiligungsprozessen und fand eine hohe Identifikation sowie Akzeptanz aufgrund der Eingliederung der Bevölkerung in den Entscheidungsfindungsprozess.
Großer Wert wurde dabei auf eine ökologisch nachhaltige und ortsbildgerechte Gestaltung gelegt, welche durch den Einsatz umweltfreundlicher Baustoffe und einem schonenden Umgang mit vorhandenen Ressourcen gewährleisten wurde. Das Bepflanzungskonzept wurde mit einer klimafitten Bepflanzung ausgelegt. Ein „Highlight“ und Anziehungspunkt für Klein und Groß stellt das errichtete Wasserspiel dar, das zusätzlich zur Bepflanzung vor allem in den Sommermonaten für angenehme Kühlung der Umgebung sorgt. Um die bereits bestehende und für die künftige Nutzung erforderliche Parkplatzfläche ökologisch zu gestalten, wurden Rasengittersteine verwendet. So soll eine Bestandsentsiegelung und Versickerungsmöglichkeit erreicht werden. Es wurden auch E-Tankstellen für PKW und Fahrräder errichtet, die durch die angrenzende gemeindeeigene Photovoltaikanlage gespeist werden.
Als Ergänzung zum angrenzenden Projekt Nahversorgungszentrum fördert das Grün- und Freiraumprojekt die Erhaltung der Gemeinschaft und das Miteinander im Außenbereich. Es entstand ein neuer Treffpunkt für die gesamte Ortsbevölkerung, der die Stärkung des Zusammenhalts in der Gemeinde, sowie des Tourismusstandortes Neutal unterstützen soll. Der Bereich steht der gesamten Ortsbevölkerung als neuer Treffpunkt und Begegnungsstätte zur Verfügung.
Ermöglicht wurden das Projekt „Nahversorger“ mit einer Landesförderung, das Projekt „Grün- und Freiraum“ mit einer EU-Land-Kofinanzierung.
