Die Tür zu gelebter Integration ist manchmal ein Fußballtor: Wenn der Verein Sport spricht alle Sprachen in Salzburg zum 14. Mal den Anpfiff zur großen Turnierserie der Integrationsfußballweltmeisterschaft gibt. 40 Herren-, zwölf Damen- und zwei Diversity-Mannschaften kickten bei der freundschaftlichen Kleinfeldfußballturnierserie für AmateursportlerInnen je zehn bis 15 Minuten um den Sieg. Die Besonderheit ist, dass alle, obwohl sie in Österreich leben, für ihr Herkunftsland spielen.

Sogar der Österreichische Fußballbund erkennt die Turnierserie an und unterstützt das Projekt mit der Aufnahme als erstes Hobbyturnier in die Fußballstatistik Österreich. Sechs Turniere werden in den Bundesländern Wien, Salzburg, Tirol, Oberösterreich, Steiermark und Niederösterreich ausgetragen, bevor die 16 besten Mannschaften des Landes das Finalturnier ausspielen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!

Eine religionsverbindende Andacht mit VertreterInnen verschiedener Religionsgemeinschaften eröffnete das Turnier. Danach sang der große Chor aller SpielerInnen und Fans dem 105-jährigen Geburtstagskind Marko Feingold ein Geburtstagsständchen. Nicht nur für Hofrat Feingold, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde und ältester Holocaust-Überlebenden Österreichs, war das ein ergreifender Moment. Salzburgs Erzbischof Franz Lackner übergab dem Jubilar ein Fußballtrikot mit der Nummer 105. Mit seinem Mantra: „Die Religionen sind gleich, nur die Feiertage sind verschieden. Keiner hat dem anderen etwas vorzuwerfen.“, steht Hofrat Feingold als leuchtendes Vorbild für eine bedingungslose Verständigung zwischen Nationalitäten, Ethnien und Religionen.

Es lebe der Sport!

Die Spielerinnen und Spieler zeigten ein beachtliches sportliches Niveau gezeigt. Im packenden Finale der Herren setzte sich Serbien mit 2:0 gegen Gambia durch. Damit feierte Serbien in Salzburg nach 2007 den zweiten Turniersieg. Gambia hingegen war die erste afrikanische Mannschaft in 14 Jahren, die es bis ins Finale schaffte. Im nicht minder spannenden Frauen-Finale gewann die Mongolei ebenfalls mit 2:0 gegen den Kosovo.

Mehr als nur Sport

Dass es bei diesem Turnier um mehr als Fußball geht, ist glasklar. Werte wie Toleranz, Freundschaft, Inklusion und Teilhabe stehen an oberster Stelle und werden von allen TeilnehmerInnen, egal ob SportlerInnen, OrganisatorInnen oder Fans, gelebt. Viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern leben in Österreich, erleben aber keinerlei gesellschaftliche Teilhabe. Ehrenpräsident Erwin Josef Himmelbauer ist der Meinung, dass es im Alltag nicht viele Gelegenheiten gibt, miteinander in Kontakt zu treten. Um diese Berührungsängste abzulegen, stellt die bekannteste und womöglich zugänglichste Sportart der Welt – Fußball – einen ausgezeichneten Türöffner dar – es geht schließlich um das große Wir! Fußball eignet sich hervorragend dazu, Gemeinsamkeiten zu finden, wenn sich schon Sprache und Religion unterscheiden.

Deshalb sind viele TeilnehmerInnen froh, dass es dieses Turnier gibt, in dem sich ganz wunderbare Dinge abspielen. Wo sonst gibt es eine Spielgemeinschaft Indien-Pakistan? Wo sonst entsteht die Idee, eine mongolische Europameisterschaft abzuhalten und die Diaspora aus unterschiedlichen Ländern in Salzburg zu versammeln? Und wo sonst kündigt ein iranischer Spieler stolz an, hoffentlich in ein paar Jahren drei Generationen seiner Familie auf’s Feld zu bringen?

Fotocredit: Heiko Mandl, Anton Temmel, Aboi Lunglai, Erwin Josef Himmelbauer und Elke Resl.

Mehr Bilder zum ersten und zweiten Turniertag sowie zum Diversity-Spiel.

 

 

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