>> Das Format „Business Frühstück“ wendet sich an Unternehmer*innen aus der Region. In gemütlicher Atmosphäre sollen aktuelle Themen angesprochen werden.

Auf Einladung von Leader Lebens.Wert.Pongau, der Werbegemeinschaft St. Johann, Bischofshofen, Schwarzach (SBS), Wirtschaftskammer Salzburg und Frau und Arbeit trafen sich  am Morgen des 5. Juni ca. 15 Unternehmer*innen in der Pongauer Stube des Hotels Alpenland in St. Johann, um über das schwierige Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf informiert zu werden und zu diskutieren. Die Fragen im Vorfeld lauteten: Welche persönlichen Erfahrungen haben die Teilnehmenden? Wie wird das Problem aus der Sicht des Unternehmens gesehen? Gibt es bereits gute Beispiele in der Region?

Leader Geschäftsführerin Cathrine Maislinger (Mitte) ist Ansprechperson für Ideen zur Förderung des ländlichen Raumes. Sie hilft bei der Entwicklung von Projekten, der Suche nach ProjektpartnerInnen und der Beantragung von Fördergeldern.

 

Ein Beispiel aus der Praxis

Zunächst erzählte Frau Dr. Doris Aufmesser, Ärztin für Allgemeinmedizin und Leiterin der Betriebe Dr. Aufmesser GmbH mit bis zu 40 Angestellten von ihrem Weg zur betrieblichen Kinderbetreuung. Das Unternehmen besteht aus einer Ordination, einer Klinik und einem Appartementhaus. Die junge Unternehmerin ist als Mutter einerseits persönlich vom Thema betroffen, andererseits stellte sie im Betrieb fest, dass es immer schwieriger wird gute Mitarbeiter*innen zu gewinnen und vor allem auch zu halten. Nach Mutterschutz und Karenz kommen die meisten nicht zurück, weil eine mit den Arbeitszeiten kompatible Kinderbetreuung fehlt.

Mit flexiblen Arbeitszeiten lassen sich nur die Bereiche lösen, in denen es nicht wichtig ist, wann die Arbeit erledigt wird – etwa im Büro. Also wurde nach einer Lösung gesucht und diese schließlich in der Anstellung einer Betriebstagesmutter gefunden. Im Gegensatz zu einer Betriebstagesstätte gibt es weniger gesetzliche Vorgaben. Unterstützt werden Unternehmen, die diesen Weg gehen wollen vom Zentrum für Tageseltern (TEZ). Es musste nur eine geeignete Wohnung gefunden und angemietet werden. Dort betreut nun eine erfahrene Tagesmutter im Moment 4 Kinder im Vorschulalter, also die Maximalzahl. Schulkinder dürften noch dazu genommen werden. Im Herbst soll aufgrund der wachsenden Nachfrage eine 2. Tagesmutter angestellt werden. Vor allem der Betreuungsbedarf für unter 3-jährige ist sehr hoch.

Im Moment betreut die Betriebstagesmutter die Kinder von MO-DO von 7.30 – 13.30, wobei eine fixe Anpassung von Betreuungs- und Dienstzeiten durch die unterschiedlichen Kollektivverträge leider nicht ganz möglich ist. Wichtig ist auch noch, dass es eine fixe Vertretung gibt, die die Kinder kennen, wenn die gewohnte Betreuerin krankheitsbedingt ausfällt oder Urlaub hat.

Finanziell sind der Kooperationsbeitrag fürs TEZ, die Wohnungsmiete und die Verpflegungskosten vom Betrieb zu bezahlen, beim Gehalt der Tagesmutter zahlen die Familien einen einkommensabhängigen Selbstbehalt, der Rest sollte von den Heimatgemeinden kommen, die aber fallweise Förderungen verweigern, wenn sie selbst freie Plätze haben.

Der Nutzen betrieblicher Kinderbetreuung für das Unternehmen ist nicht in Zahlen messbar, aber spürbar in der Verbesserung des Betriebsklimas und an der Mitarbeiterbindung. Außerdem ist es natürlich positive Öffentlichkeitsarbeit.

Doris Aufmesser (rechts) beim Gespräch im Anschluss an ihren Vortrag

 

Wie geht es weiter?

Im Anschluss informierte uns Sabine Pronebner vom Forum Familie Pongau über die verschiedenen Möglichkeiten betrieblicher Kinderbetreuung und die notwendigen Schritte von der Bedarfserhebung bis zur Mitarbeitersuche. Dann wurden in 3 Gesprächsgruppen Problemfelder ausgemacht und protokolliert. Besonders diskutiert wurden die Probleme mit zu wenig Flexibilität in der Kinderbetreuung, die oft an gesetzlichen Vorgaben scheitert und mit den unterschiedlichen Dienstzeiten der Eltern schwer in Einklang zu bringen ist. Tatsache ist leider auch, dass von den meisten Arbeitgebern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch immer als Frauenthema betrachtet wird. Die Ergebnisse der Gespräche werden nun an die zuständigen Stellen in Gemeinden und Land weitergeleitet und dort hoffentlich aufgegriffen, wünscht sich

NH-Reporterin Aglavaine Lakner

 

Das Veranstalter*innenteam

 

Fotos: © Land Salzburg

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