Wer beim Stichwort „Stadtteilspaziergang“ an historische Architektur und Stadtgeschichte denkt, liegt beim „Höttinger AUfbruch“ falsch. Bei diesem Spaziergang, organisiert vom Welthaus der Diözese Innsbruck, ging es darum „neue“ Orte zu besuchen. Orte, die zeigen können, wie Zusammenleben in der Stadt aussehen kann.

Stadtkarte der Solidarität

Magdalena Wiesmüller vom Welthaus begrüßte die sechsköpfige Gruppe am Treffpunkt im Innenhof der Universität. Sie kündigte einen Spaziergang mit vier Stationen nordwestlich des Innsbrucker Zentrums an. Bepackt mit einem kleinen Rucksack ging es los. Erster Halt war das Institut für Geographie und der Ernährungsrat direkt im Hochschulgebäude. Dort berichtete Moritz Schneider von den Tätigkeiten und Zielen des Ernährungsrats, betreffend Versorgung, Stadtentwicklung und der Förderung des Bewusstseins für Nachhaltigkeit. Wenige Gehminuten von der Universität entfernt lag der zweite Stopp, in einem der sozialökonomischen Betriebe des Vereins WAMS. So kam es dazu, dass die Gruppe plötzlich mitten in der Fahrradwerkstatt CONRAD stand. Hier wurde den neugierigen Zuhörern das besondere Herzensanliegen des Vereins erklärt: die Förderung und Unterstützung von Arbeitssuchenden durch Arbeitsplätze auf Zeit. Der dritte Treffpunkt befand sich vor einer unscheinbaren Garage. Dort wartete schon Hany Dvorak-Plattner auf die Gruppe. Sie ist Mitglied der FoodCoop Bare FOOD und lud die Spaziergänger ein, sich im Lebensmittellager der selbstorganisierten Kooperative umzusehen. In der Garage standen Regale, in denen verschiedene Produkte von lokalen Bauernhöfen, Gärtnern oder Imkereien lagerten. Regionalität, Bio-Qualität und Plastikvermeidung hat für den Verein einen hohen Stellenwert, dafür arbeitet man bei der FoodCoop aber gerne zusammen.

Gemeinsam leben und arbeiten

Auch im „Haus des Lebens“ am Margaretengürtel hat man erkannt, dass man selbst aktiv werden muss, wenn man etwas verändern will. Hier, gegenüber der Pfarrkirche, wurde ein Gebäudekomplex gebaut, wo verschiedenen Lebensbereiche zusammenkommen. Der Leiter des Hauses, Anton Stabentheiner, hat sich viele Gedanken darübergemacht, wie ein

Leben im Miteinander ausschauen könnte, ohne die Anonymität und Isolation städtischen Wohnanlagen. Um am Leben teilzuhaben, muss man es auch ins Haus lassen, davon ist man hier überzeugt und so bietet das Haus nicht nur Wohnungen, sondern beherbergt auch ärztliche Praxisräume, eine Kinderkrippe, wechselnde Bildausstellungen und ein Café. Das Café NAMSA ist vor einem Jahr in die Räumlichkeiten im Erdgeschoss eingezogen. Die zwei jungen Gründerinnen haben hier ein Social Business verwirklicht, das anerkannten Flüchtlingen erste Arbeitserfahrungen ermöglicht. Hier klang in heimelig, entspannter Atmosphäre der Spaziergang aus.

Fotos: © CO

Christina Oberleiter | NR-Reporterin für Tirol    

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